Das japanische Neujahrsfest

Das japanische Neujahrsfest

Das Neujahrsfest wird in Japan ganz traditionell gefeiert. Während in Europa das neue Jahr mit Freunden, Feuerwerkskörpern und alkoholischen Getränken zelebriert wird, steht in Japan der erste Tag des Jahres ganz im Zeichen der Familie.

Feuerwerk und Party mit Freunden steht bei den meisten Deutschen ganz oben auf der Liste, wenn sie an den letzten Tag des Jahres denken. Hierzulande wird der 31.12. ausgelassen gefeiert und selbst Partymuffel schalten um kurz vor 12 den Fernseher ein, wenn am Brandenburger Tor der Countdown zum neuen Jahr startet.

Auch wenn man meinen mag, dass in einer Millionenmetropole wie Tokio sicherlich die größten Partys der Welt stattfinden sollten, sieht das Neujahrsfest in Japan eigentlich ganz anders aus. Wie Japaner den Start ins neue Jahr, das oshōgatsu (お正月) feiern und was für Traditionen dabei bewahrt werden, schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.

Zeit mit der Familie beim Neujahrsfest

Feiertage, an denen nicht gearbeitet wird, gibt es in Japan nur wenige. Abgesehen von der Golden Week und der Silver Week, bei denen viele Japaner mehrere Tage hintereinander Urlaub nehmen können, bietet auch das Neujahrsfest eine solche Gelegenheit. Die meisten Japaner können mit freien Tagen am 1., 2. und 3. Januar rechnen. Wer in Kaufhäusern und Supermärkten arbeitet, hat allerdings Pech, denn solche Geschäfte kennen in Japan keine Ruhetage.

Im Prinzip kann man sich das japanische Neujahrsfest ähnlich vorstellen wie unser Weihnachtsfest. 3 Tage lang mit der Familie Zeit verbringen und sich dabei den Magen mit gutem Essen vollschlagen, so lautet die Devise. Allerdings kommen auch die partyhungrigen Japaner nicht zu kurz, denn für sie gibt es ja schließlich das Weihnachtsfest, bei dem die Zeit mit dem Partner bzw. der Partnerin und guten Freunden verbracht wird. Man kann es sich also wie eine verkehrte Welt vorstellen: Weihnachten Party, Silvester Familie.

Traditionelle Gerichte zur Neujahrszeit

In Deutschland essen wir zu Weihnachten Gans mit Rotkohl, in Japan gibt es Osechi (お節料理; osechiryôri). Bei Osechi handelt es sich um Boxen mit traditionellen japanischen Gerichten, die über drei Tage hinweg zwischen dem 1. und dem 3. Januar mit der Familie gegessen wird.

Osechi

Fachgeschäfte wittern beim Verkauf von Osechi schon lange das große Geschäft und verkaufen die viereckigen Boxen zu hohen Preisen – und das in Massen. Traditionell bedachte Familien bereiten Osechi zur Neujahrszeit zwar noch selbst zu. In der heutigen Gesellschaft tendiert der Trend aber definitiv zum Kauf.

Alle Zutaten, die beim Osechi verwendet werden, haben eine Bedeutung und sollen zu einem erfolgreichen neuen Jahr beitragen.

Von Nudeln und Göttern

Auch in der Silvesternacht selbst lassen es die Japaner ruhig angehen. Eine besondere Tradition zum Neujahrsfest ist das Gericht toshi-koshi soba (年越し蕎麦), das am Abend als letzte Mahlzeit vor Beginn des neuen Jahres gerne gegessen wird.

Es handelt sich dabei im Grunde genommen einfach nur um Soba – also um ein Gericht mit Buchweizennudeln, das in Japan oft gegessen wird. Der Begriff toshi koshi bedeutet etwas wie “Jahres-überquerend” und bezeichnet eben die Mahlzeit, die zwischen dem alten und dem neuen Jahr gegessen wird.

toshi-koshi soba

Wie alle Gerichte zum Neujahrsfest haben natürlich auch toshi-koshi Soba eine feste Bedeutung, die mit Glück, Gesundheit und einem guten, langen Leben verbunden sind. Praktisch betrachtet haben die Soba sich aber wahrscheinlich besonders deshalb etablieren können, da Hausfrauen traditionell mit der Zubereitung des Osechi beschäftigt waren und Soba sich eben schnell ohne Mühe zubereiten lassen.

Einige Japaner suchen um Mitternacht auch buddhistische Tempel auf, an denen still für ein erfolgreiches neues Jahr gebetet werden kann. In der Nacht auf den 1. Januar sieht man daher viele Menschen durch die Dunkelheit schleichen – nur um an einem Tempel zu beten.

Familienbesuche und Geld für die Kinder

In den darauffolgenden drei Tagen können besonders Kinder sich glücklich schätzen, denn sie bekommen von Eltern und Verwandten otoshidama (お年玉) geschenkt.

Dabei handelt es sich im Grunde genommen um nichts anderes als Geldgeschenke – sozusagen also das Gegenstück zu unseren Weihnachtsgeschenken. Verbunden wird diese Tradition mit Besuchen bei der Verwandtschaft, die man sonst das Jahr über weniger zu Gesicht bekommt.

Besonders für Familienväter ist der Feiertagszeitraum daher mit Fahrten zu Verwandten verbunden, bei denen dann auch gleich die otoshidama abgegeben werden können. Praktisch, nicht wahr?

Eine weitere Tradition ist der Besuch bei einem shintoistischen Tempel am 1. Januar, bei dem oft traditionelle Kleidung getragen und für Gesundheit und Erfolg im neuen Jahr gebetet wird. Also, in dem Sinne: 明けましておめでとうございます (akemashite omedetō gozaimasu; “Frohes neues Jahr”)!

Mehr über Japan und die Landessprache lernst du in unserem Japanisch-Grundkurs, bei dem du stets einen persönlichen Lehrer zur Seite hast, um deinen Lernerfolg zu maximieren. Wenn du selbst mal nach Japan möchtest, solltest du dir auch unsere Programme für einen Sprachaufenthalt anschauen.