Erfahrungsbericht Japanaufenthalt: Mein Jahr in Japan

Asakusa

Mein Name ist Tobias und ich habe mein Studium in Deutschland ein Jahr für einen Japanaufenthalt pausiert, um in Tokio die japanische Sprache zu lernen. Mit der japanischen Sprache hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht viel zu tun, allerdings habe ich gerne mal einen Anime auf Netflix gesehen und war daher doch recht fasziniert von dem Land.

Was ich dabei alles erlebt habe und vor welchen Herausforderungen ich stand, möchte ich euch gerne in diesem Artikel erzählen. Ich hoffe, dass ich so vielleicht dem ein oder anderen Interessenten bei seinen Vorbereitungen helfen und somit zu einem tollen Japanaufenthalt verhelfen kann.

Japanaufenthalt mit dem Working Holiday Visum

Meine Entscheidung, nach Japan gegangen zu sein, bereue ich nicht. Auch wenn mein Studium dadurch um ein Jahr verlängert wurde und ich mir für die Universität keine Punkte anrechnen lassen konnte, habe ich doch viel für mich selbst gelernt und habe eine unglaublich tolle Erfahrung gemacht.

Bevor ich mich aber um die Vorbereitungen für meinen Japanaufenthalt kümmern konnte, musste ich zunächst schauen, mit welchem Visum ich eigentlich nach Japan komme. Zunächst dachte ich, dass ein Japanaufenthalt mit einem Studentenvisum für mich nicht infrage kommt, da ich ja nicht an einer japanischen Universität, sondern an einer Sprachschule die Sprache lernen möchte. Schnell wurde ich aber eines besseren belehrt, da auch Sprachschulen Studentenvisa ausstellen können, ohne dass man eigentlich Student ist.

Für mich persönlich kam aber nur das Working Holiday Visum in Frage, denn ich wollte gar nicht das ganze Jahr lang an einem Japanischunterricht teilnehmen. Das Working Holiday Visum ermöglichte es mir, nur 6 von den 11 Monaten an einem Sprachkurs teilzunehmen – den Rest der Zeit bin ich durch das Land gereist und habe mich mit Nebenjobs über Wasser gehalten.

6 Monate Japanischkurs

Die ersten 6 Monate nahm ich von Oktober bis März an einem Japanischkurs einer Sprachschule in Tokio teil. In dieser Zeit lebte ich in einem Wohnheim der Sprachschule – das war zwar etwas teurer als eine private Unterkunft, allerdings hatte es den Vorteil, dass das Wohnheim direkt in der Nähe der Sprachschule im Tokioter Stadtteil Ikebukuro war. So konnte ich morgens eine Stunde länger schlafen und war außerdem direkt im Stadtzentrum, wenn ich vor die Tür ging.

Bei meiner Ankunft Mitte Oktober war ich zunächst erst mal ziemlich erschöpft vom zwölfstündigen Flug mit der Lufthansa, allerdings konnte ich mit einem Shuttlebus der Schule direkt vom Flughafen in Narita nach Ikebukuro fahren. Die Mitarbeiter sprachen Englisch, sodass ich mich trotz meiner fehlenden Japanischkenntnisse ausreichend verständigen konnte.

Mein Japanischkurs ging direkt drei Tage später los. Anfangs hatte ich erst mal Probleme, mich an die Hiragana und generell an das japanische Schriftsystem zu gewöhnen. Allerdings hatte ich jeden Tag drei volle Stunden Japanischunterricht und dadurch, dass ich auf der Straße, im Supermarkt, in Restaurants und generell überall in meinem Alltag von japanischen Zeichen umgeben war, hatte ich die Hiragana schon nach wenigen Wochen auf dem Kasten.

In 6 Monaten zum JLPT

In meinen 6 Monaten Sprachkurs habe ich wirklich jeden Tag gebüffelt und mit meinen japanischen Freunden den Unterrichtsstoff geübt. Alle 10 Wochen gab es einen Test, vor dem ich anfangs ziemlich Angst hatte. Mit ein wenig Übung und regelmäßigem Lernen war das aber wirklich kein Problem und mein Ergebnis war immer richtig gut.

Als mein Kurs zu Ende war, entsprach mein Sprachlevel irgendwas zwischen dem JLPT N4 und N3. Ich wollte unbedingt am JLPT teilnehmen und ein Zertifikat über meine Japanischkenntnisse ausgestellt bekommen, allerdings war ich doch etwas zu faul, noch mehr Kanji zu lernen und traute mir den N3 nicht zu.

Ob ich ihn letzten Endes geschafft hätte, weiß ich bis heute nicht, allerdings hatte ich mit dem JLPT N4 keine Probleme und konnte ihn nach einem halben Jahr intensiven Lernen ohne Probleme mit insgesamt 79% bestehen – eine Leistung, auf die ich ziemlich stolz war und noch immer bin.

5 Monate durch das Land reisen

Nach Ende meines Japanischkurses stellte sich mir zunächst die Frage, was ich nun als Nächstes mache. Zum einen stand ich vor dem Problem, dass ich ohne Teilnahme am Sprachkurs nicht länger im Wohnheim der Sprachschule wohnen konnte.

Zum anderen reizte es mich auch, andere Teile des Landes kennenzulernen und Tokio zu verlassen, obwohl es mir schwerfiel, meine neuen Freunde hinter mir zu lassen.

Die Abenteuerlust siegte jedoch und so entschied ich mich nach Kyoto zu ziehen, wo ich auch bis Ende meines Japanaufenthaltes blieb. Dank der Hilfe meiner japanischen Freunde fand ich recht schnell ein Privatzimmer in einer Unterkunft extra für Ausländer. Die war zwar etwas teurer als ein ganz normales Apartment, allerdings konnte ich das Zimmer monatsweise mieten und musste mir keine Gedanken über Maklergebühren und der Suche nach einem Nachmieter machen. Das Zimmer war trotzdem viel günstiger als das Studentenwohnheim der Sprachschule.

In Kyoto angekommen, nutze ich meine Zeit zunächst, um durch das Land zu reisen und mir Japan mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Um Kyoto herum gibt es eine Menge Orte, die man als Tourist bereisen kann – auch Hiroshima und Miyajima, die ich unbedingt mal mit eigenen Augen sehen wollte, waren nicht so weit.

Japanaufenthalt: Kusatsu Onsen
(© eigene Aufnahme; Kusatsu Onsen in der Präfektur Gunma)

Mit Nebenjobs den Japanaufenthalt finanzieren

Schnell musste ich aber feststellen, dass mein finanzielles Polster einfach nicht mehr reichte und ich die Zeit bis zu meiner Heimreise vermutlich nicht überbrücken konnte. Ich begann also, mir einen Nebenjob zu suchen, was mir dank meiner Japanischkenntnisse zum Glück auch nicht so schwer viel.

Viele meiner ausländischen Bekannten jobbten in Konbinis oder in Karaokeboxen als Verkäufer, aber das war irgendwie nichts für mich. Mit etwas Glück fand ich dann eine Stelle als Englischlehrer an einer Sprachschule. Mein Englisch ist zwar nicht perfekt, aber für einen Job in Japan reichte es allemal, da das Englischlevel in Japan wirklich nicht allzu hoch ist.

Mit meinem neuen Job kam ich dann irgendwie über die Runden und schaffte er, mich bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland über Wasser zu halten. Meine glorreichen Zeiten, in denen ich 2 Wochen am Stück mit dem Shinkansen durch Westjapan reiste, waren zwar vorbei. Spaß hatte ich aber trotzdem, denn es gibt auch günstige Möglichkeiten, wie man in Japan Spaß haben kann.

Alles in allem hatte ich eine wirklich unterhaltsame Zeit und würde die Erfahrung niemals missen wollen. Wer eine neue Erfahrung machen möchte oder sich vielleicht selbst besser kennenlernen will, dem empfehle ich eine Reise nach Japan allemal.

Wenn du selbst mal einen Japanaufenthalt machen möchtest, wäre ein Sprachkurs an unserer Partnerschule ISI in Tokio, Kyoto oder Nagano vielleicht genau das Richtige für dich. Oder du lernst bequem von zu Hause aus online Japanisch.